Heimbetreiber warnen vor finanziellen Folgen einer sicheren Betreuung in der Nacht

Die Reaktion der Wohlfahrsverbände bayerns  auf die Festlegung eines Mindestpersonalschlüssels  für den Nachtdienst bringt eine Doppelmoral zum Vorschein, die an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist.  Lesen Sie zum Beispiel die Argumentation des Vorsitzenden der Diakonie:  Diakonie-warnt-feb2015
Auf der einen Seite versprechen die Führungskräfte von BRK, Diakonie, Caritas u.a., ohne rot zu werden, dass in ihren Häusern jeder Bewohner rund um die Uhr individuell und fachlich kompetent betreut wird.  Und dies, obwohl sie genau wissen, dass  eine zeitnahe individuelle Hilfe in der Nacht, überhaupt nicht leistbar ist, wenn nur eine Pflegekraft mehr als 40 kranke, alte Menschen versorgen soll. Da ist keine Zeit sich zu einem Sterbenden zu setzen. Da nimmt man in Kauf, dass Schutzbedürftige in lebensbedrohlicher Lage erst Stunden später gefunden werden, sich in Schmerzen winden, in ihren Fixierungen strangulieren u.v.a.m.  Der Pflege-SHV sieht in der  Verfügung des bayerischen Staatsministeriums, eine zwingend notwendige Vorgabe, um den schutzbedürftigen Menschen in den Pflegeheimen ein Mindestmaß an Sicherheit zu geben.  Wir sprechen hier nicht von einer  Verbesserung einer bisher zufriedenstellenden Situation, sondern von einer Schutzmaßnahme, die eher einer Notlösung entspricht.    Heimbetreiber, vor allem wenn sie sich auf ein christlich-humanistisches Leitbild berufen, müssten sich eigentlich in Grund und Boden schämen, dass sie nicht von sich aus die Forderung  nach einem  Personalschlüssel stellen, der ausreicht, um gewährleisten zu können, dass  in ihren Häusern kein Bewohner fixiert und ruhiggestellt dahindarben muss.

Auch im Tagdienst reicht das Personal meist nur für eine notdürftige Grundversorgung.   In deutschen Heimen werden mehr als 200.000 alte Menschen fixiert und  medikamentös ruhig gestellt, weil sich die Heimbetreiberverbände eben gerade nicht dafür einsetzen, dass genügend Personal zur Verfügung steht um eine menschliche Begleitung  gewährleisten zu können. Im Gegenteil, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind Heimbetreiber darauf bedacht, möglichst wenig Personal einsetzen zu müssen.  Denn jede Stelle die irgendwo eingespart werden kann, ist gewonnenes Geld.  Die Heime bewegen sich in einem Konkurrenzkampf, der nicht über Qualität sondern über den Preis ausgetragen wird. Je weniger Personal, desto günstiger der Pflegesatz. Natürlich schauen  die meisten Heimplatzsuchenden auf den Preis. Und wer die Wahl hat, zwischen zwei Heimen, die  gleich hohe Qualität versprechen, untermauert  durch ein SEHR GUT vom Pflege-TÜV, ist natürlich geneigt das günstigere zu wählen.

Qualitativ liegt die Spannbreite  zwischen einem Personaleinsatz von 1:15 bis 1: 90, so die  Bestandsaufnahme in Bayern.  Demnach gibt es Heime die eine Pflegekraft für 15 Bewohner im Nachtdienst einsetzen, während andere keine Skrupel  haben  90 Pflegebedürftige  in die Obhut nur einer Nachtwache zu geben. Und dies deshalb, weil es keine Obergrenze gibt, sondern nur die Vorschrift der ständigen Präsenz einer Pflegefachkraft.  Ein Großteil der Heime in Bayern erfüllen bereits heute den Schlüssel von 1:40, wie die Untersuchung gezeigt habe.  Auch daraus kann ersehen werden,  dass es  in erster Linie eine Frage der Einstellung ist und nicht der Finanzierung.
Zwei Nachtwachen aus einem BRK Heim in Bayern haben mit ihrer Weigerung, eine Reduzierung der Nachtdienstbesetzung zu verantworten,  deutlich gemacht, dass derart verantwortungslosem Handeln politisch Einhalt geboten werden muss.   Der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. hat daraufhin bundesweit die hier veröffentlichte  Kampagne gestartet.

Sabine Bätz, eine der beiden Nachtwachen möchte nicht so arbeiten müssen, wie sie es in dieser Empfehlung für Heimbetreiber beschreibt:  einsparmoeglichkeiten-im-nachtdienst


5 Kommentare

  1. Auch wenn ich viele Argumente in diesem Kommentar nachvollziehen kann, verstehe ich nicht, wie ein Fachverband auf so einen politischen Bauerntrick hereinfallen kann.
    Die Verfügung kostet die bayrische Landesregierung keinen Cent. man kann also zum Nulltarif so tun, als ob man etwas für die Pflegequalität tut.
    Der Personalschlüssel insgesamt wird nämlich nicht erhöht, so dass tatsächlich das Personal im Tagdienst entsprechend reduziert werden muß. Ob das in jedem Fall, d.h in allen betroffenen Heimen zu einer Verbesserung der Gesamtsituation für die Pflegebedürftigen führt, wage ich zu bezweifeln.
    Und wenn Wohlfahrtsverbände sich für mehr Personal einsetzen, wird ihnen grundsätzlich Raffgier vorgeworfen. Nach dem Motto: sollen sie doch erst die immer wieder beschworenen Gewinne in mehr Personal investieren. Da nützt es dann auch nichts, wenn Träger ihre Bilanzen offenlegen.
    Indem wir alle unsere Feindbilder pflegen, zementieren wir den Ist-Zustand. Der Verschiebebahnhof, wenn es um Verantwortung oder Schuld geht, führt eben nur dazu, dass alle Beteiligten voller Inbrunst ihre Hände in Unschuld waschen und mit dem Finger auf andere zeigen.
    Die Politik, die Kostenträger, die Heimbetreiber, die Pflegekräfte usw. Solange dieses Muster nicht durchbrochen wird, gibt es auch keinerlei Veränderungsdruck.

  2. Ihr Kommentar, Herr Meier, verwundert mich. In diesem Zusammenhang von Bauerntrick und Feindbildern zu sprechen, hilft in der Sache genauso wenig weiter, wie Schuldzuweisungen. Die Verfügung der bayerischen Landesregierung ist jedenfalls, angesichts der bisherigen Haltung der Politik, mehr als wir zu hoffen wagten. Dass wir den Personalschlüssel insgesamt für unzureichend halten, können Sie an anderen Stellen nachlesen.

  3. Pflegebedürftige haben lt. Grundgesetz gesetzlichen Anspruch
    ( Grundrecht ) auf eine menschenwürdige Betreuung,sowohl am Tag als
    auch gerade in der Nacht. Verantwortlichen Spitzenvertretern von gerade Wohlfahrtsverbänden würden Einblicke in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte,verkündet von immerhin der Vollversammlung der Vereinten Nationen, bereits am 10.Dezember 1948 weiterhelfen. Zitat aus Artikel -1-Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.Sie sind mit Vernunft und “ Gewissen “ begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Zitat aus Artikel -3- Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person…Zitat aus Artikel-5- Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden !!! All`
    dies hat zunächst mit christlicher Nächstenliebe schlichtweg nichts zu tun. Wenn jetzt aber selbst Spitzenvertreter der beiden großen
    christlichen Konfessionen , wie z.B. die Vertreter(in) der Diakonie
    vor Veränderungen ( Verbesserungen? ) im Nachtdienst gar warnt dann
    sollten wir alle doch in`s Grübeln über christliche Werte kommen.
    Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte kann bei mir angefordert werden….

  4. Aktualisierung meines Beitrages vom 16.Dezember 2015 um 14:42 //
    bis heute hat niemand die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bei mir angefordert… soll ich mich darüber wundern ? oder dies bedauern ?
    Was ich allerdings feststelle, die seit Jahren gute Zusammenarbeit mit der Diakonie Neuendettelsau hat unter der neuen Leitung gegenüber
    mir zur “ Funkstille “ geführt. Sollte es so sein Verantwortliche der Diakonie , gerade in Bayern, teilen gerne aus, sind aber gegenüber berechtigter Kritik an den höchst umstrittenen Äußerungen zur Verbesserung der Pflegesituation, die diese als zu teuer einstufen, sehr dünnhäutig? Wenn dies so wäre würde dies christlichen Grundsätzen gröblichst widersprechen.Pflegeeinrichtungen der Diakonie,im Verantwortungsbereich von Neuendettelsau, geben Anlass zur Kritik, was die unwürdige Behandlung teilweise von schwerst pflegebedürftigen Heimbewohnern anlangt. An der zeitnahen Verbesserung dieser unwürdigen Zustände sollten die Verantwortlichen der Diakonie sehr rasch arbeiten.
    Hans Christoph
    praktizierender Christ

  5. Stand 1.August 2016….der von der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml aufgegriffene Personalschlüssel 1:30 wird seitens einiger Heimbetreiber “ progressiv “ unterlaufen. Den Pflegekräften werden NICHT nur zunehmend schwerst demente zu pflegende Heimbewohner “ verordnet “ sondern auch noch stark übergewichtige Heimbewohner. Dies zeigt wo die Reise hin geht, trotz guten Willens z.B. der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml.Der Moloch ( Bazillus ) Gewinnmaximierung breitet sich ungehemmt weiter aus.Solange allerdings das schwammige System der laschen sogenannten “ Kontrolle “ durch Medizinische Dienste nicht konsequent beseitigt wird werden zwar Milliarden in den Sand gesetzt, eine Wende zur besseren Pflege jedoch nicht erreicht…

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